Chronik PLANATOL
Presseartikel vom 13.06.2007
Die Firma Planatol aus Rohrdorf bei Rosenheim feiert diesen Jahr 75. Geburtstag. Sie wurde 1932 von Willy Hesselmann in München gegründet als PLANATOLWERK W. Hesselmann, Chemische und Maschinenfabrik für Klebetechnik.
Der Betriebszweck der Firma war von Anfang an die Kombination aus Klebstoffprodukten und passenden Anleimgeräten. In der chemischen Abteilung wurden Kunstharz-Klebstoffe und Emulsionen auf Kunstharzbasis für Papierbeschichtung hergestellt. In der Maschinenbauabteilung die Entwicklung und Produktion von Klebegeräten und Klebemaschinen für die zweckmäßigste Verarbeitung der Erzeugnisse der chemischen Abteilung vorangetrieben.
Damals stand selbst die Grundstoffchemie für Kunststoffe in den allerersten Anfängen, und die Rohstoffe für die Herstellung von Kunstharzkaltleimen selbst wurden noch von der Grundstoffchemie in Versuchseinrichtungen hergestellt und konnten daher nur in für eine Produktion unwahrscheinlich kleinen Mengen bezogen werden. Dieser Zustand dauerte bis etwa 1936, bis überhaupt Rohstoffe auf Kunstharzbasis in Mengen bezogen werden konnten, die eine Verarbeitung lohnend erscheinen ließen. Zeitlich zählt daher Planatol zu den ältesten Herstellern von Kunstharzkaltleimen und Emulsionen auf dem Weltmarkt.
Die Maschinenbauabteilung entwickelte auf dem Gebiet der Papierbeschichtung mit Kunstharzen und Klebstoffen schon ab 1932 Geräte und Maschinen nach eigenen Patenten. Besonders bekannt wurden die Spezialmaschinen für die Herstellung von Selbstklebepostkarten mit natürlicher Kurztrocknung, die bis zur vollautomatischen Rotationsmaschine nach dem zweiten Weltkrieg weiterentwickelt wurden.
1943 erfolgte wegen Luftkriegsschäden die Verlagerung der Firma von München in das Allgäu nach Dietmannsried. Hier, fern von den Brennpunkten der Großstadt, konnte der Betrieb sich in seiner chemischen Erzeugung erfolgreich weiterentwickeln. Nach Kriegsende konnte schon Anfang Mai 1945 die Produktion wieder aufgenommen werden, weil die amerikanische Besatzung fast die gesamte Erzeugung beanspruchten, frühzeitig die Produktionserlaubnis erteilten und auch für die Beschaffung der Rohstoffe sorgten.
Nach der Währungsreform vollzog sich die weitere Betriebsentwicklung so schnell, dass die Betriebsräume in Dietmannsried zu beengt wurden, 1952 wurde daher in Thansau bei Rosenheim (Obb.) ein Betriebsgelände käuflich erworben und die Produktion dorthin verlegt.
In den 60er Jahren galten die Erzeugnisse der Firma an Klebstoffen auf Kunstharzbasis, an Mischleimen und Pflanzenleimen für alle Gewerbe und Industrien ihrer hohen Qualitäten wegen als Spitzenerzeugnisse. Neben den Dispersionsklebstoffen begann die Firma zu dieser Zeit mit der Entwicklung und Fertigung von Hotmelts (1985 wurde das Portfolio durch die Entwicklung und Fertigung von PUR ergänzt). Die Produkte wurden damals schon weltweit exportiert. Das gleiche galt und gilt für die Erzeugnisse der Maschinenbau-Abteilung in Klebe- und Klebebindegeräten für Registraturen, Buchbindereien und Papierverarbeitungsbetriebe, insbesondere für die modernen fadenlosen Klebebindeverfahren und in automatischen Klebstoffauftrage-Vorrichtungen für viele Arten von Papierverarbeitungsmaschinen.
Nach dem Tod des Firmengründers Willy Hesselmann 1966 übernahmen seine 3 Söhne Karlheinz, Peter und Theodor Hesselmann die Geschäftsführung. Im Maschinenbau wurde der Produktbereich OPIMATIC als Systemlieferant von Falzklebeaggregate in Offsetdruckmaschinen konsequent ausgebaut. Die Technologie des Falzklebens in Rotationsdruckmaschinen, ob Längs- oder Querleimung wurde von PLANATOL entscheidend vorangetrieben. Der Bereich OPIMATIC ist heute einer der wichtigen Standbeine der Firmengruppe. Das Unternehmen liefert mit seinen Falzklebstoffen auch gleich das Verbrauchsmaterial dazu. Die seit 1932 bestehende Strategie Klebstoff und Maschine aus einer Hand zu fertigen, ist nach wie vor ein Erfolgsrezept.
Dies bezieht sich auch auf eine andere Firmensparte. Anfang der 70er Jahre erfand die Abteilung PLANAX das Binden mit Thermobindestreifen. Die damaligen Thermomatic-Binder und der sich daraus entwickelte PLANAX Copy Binder erleichtern seitdem das Binden von Dokumentationen aller Art in Hausdruckereien, Verwaltungen oder Copy Shops. Die für diesen Bindeprozess benötigten Hotmelt-beschichteten Bindestreifen sind auch ein Eigenprodukt von PLANATOL.
Nach Ausscheiden seiner Brüder als Geschäftsführer war Theodor Hesselmann ab 2003 als alleiniger Geschäftsführer für die Belange des Unternehmens verantwortlich. Seit Frühjahr 2007 teilt er die Geschäftsführung mit Michael Böddeker. Theodor Hesselmann wird Ende des Jahres nach 51-jähriger Firmenzugehörigkeit in den Aufsichtsrat wechseln. PLANATOL gilt in der Grafischen Industrie als Spezialist für Klebetechnik. Dazu Theodor Hesselmann: „Diese Kompetenz in unserem Kernmarkt werden wir festigen und ausbauen. Parallel dazu ist die Strategie unser Know-how rund ums Kleben auf andere Märkte auszudehnen.“ So investierte die PLANATOL Unternehmensgruppe 2000 in den Klebebandhersteller BIOLINK in Geretsried und übernahm 2005 die PLANATOL Milker Adhesive in Horhausen, ein Produzent für Beschichtungsklebstoffe. Die Unternehmensgruppe ist heute im Segment Klebetechnik breit aufgestellt, stark spezialisiert und liefert in neu gewonnene Märkte, wie Automotive, Bau, Möbel- und Textilindustrie. PLANATOL hat 200 Mitarbeiter und 2006 einen Jahresumsatz von € 40. Mio. Das Unternehmen hat 3 Produktionsstandorte in Deutschland, sowie ein Vertriebsbüro in Frankreich und eine weltweite Händler- und Vertreterstruktur.